Last Obsession

Kunstlichtübung 2009

5 min, 35 mm, no vocal
Darsteller: Marie Seeger, Matthias Schott
Kamera: Danny Tatzelt
Buch: Anne Zetl
Szenenbild: Marcello Kaiser

1. STRASSE AUSSEN/TAG
1918, kurz vor Ende des Krieges im Elsass. Das Ende eines
Giftgasangriffs mit Senfgas, der gelber Nebel lichtet sich, es
wird eine kleine Straße, deren Gebäude halb zerstört sind,
sichtbar.
Eine weibliche Gestalt mit Gasmaske stolpert fast
orientierungslos über die Straße. (ihre Atmung ist unruhig,
hektisch
) Außer ihr ist niemand zu sehen.
Sie kommt an einem Bekleidungsgeschäft vorbei. Da entdeckt sie
im halbkaputten Schaufenster des Ladens eine Bekleidungspuppe
im wunderschönsten roten Kleid der Welt.
Sie bleibt stehen, versucht sich mühsam aufzurichten. (ihr
Atmen wird gleichmäßiger
)
Sie bewundert das Kleid, für einen Moment scheint sie vergessen zu
haben, wo sie sich befindet. Sie schaut in alle Richtungen,
soll sie weiterfliehen, oder … ?
Sie steigt über die Leiche des Ladenbesitzers,
der noch im Eingang liegt und geht in seinen Laden.

2. LADEN INNEN/TAG
Die Frau kniet nun und ist über die Puppe gebeugt.(Ihr Atem
geht nun wieder schneller
) Es ist nicht so einfach die Puppe
zu entkleiden.
Dann hat sie endlich das Kleid in den Händen.
Sie hält es hoch ins Licht, um zu sehen, ob es irgendwie
beschädigt wurde. Das Licht schimmert durch die zarte Seide,
das Kleid ist unbeschädigt.
Endlich hat sie das Kleid. Aber wie es anziehen ohne die Mask
abzusetzen? Sie sieht an sich runter, ihren knielangen Rock
könnte sie noch einfach ausziehen. Aber ihren kurzärmlichen
Strickpullover kann sie sich nicht so einfach über den Kopf
ziehen. Sie zieht ihn kurz hoch, merkt, dass es nicht geht.
Dazu ist die Maske zu groß, und es ist zu riskant die Maske
abzunehmen.
Sie blickt sich um, auf der Verkaufstheke des Ladens liegt
neben vielen anderen Dingen für den Schneiderbedarf eine
Schere. Sie geht zur Theke, nimmt die Schere und schneidet
sich vorsichtig den Pullover vom Leib. Dabei geht sie sehr
ängstlich vor, immer in der Angst sich selber mit der Schere
zu verletzen. Dann endlich hat sie es so aufgeschnitten, dass
sie es ausziehen kann. (ihr Atem hat sich beruhigt, sie ist
ganz konzentriert
)
Dann zieht sie die Hose aus. Dann streift sie das Kleid
vorsichtig über, es passt wie angegossen.
Aber als sie sich im Spiegel betrachtet, kommt die
Ernüchterung. Eine Frau mit langen schönen Haaren im schönsten
Kleid der Welt, aber mit dem Elefantengesicht der Gasmaske,
und wer sollte sie auch sehen? (Aufschluchzen, der Atem wird
wieder unregelmäßig
)
Resigniert angesichts der Hässlichkeit (ihrer eigenen und der
Umgebung), wendet sie sich ab. (sie versucht das Schluchzen zu
unterdrücken, da sie sich mit der Maske auf dem Kopf weder
Nase putzen, noch Tränen wegwischen kann
).

3. STRASSE AUSSEN/TAG
Benommen geht sie in dem roten Kleid wieder aus dem Laden,
diesmal durch die Tür. Sie geht weiter die Straße entlang.

Ende

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